In Zeiten globaler Erschütterungen sind nachhaltige, klimaschonende und energieeffiziente Lebens- und Wirtschaftsweisen gefordert: Für die Regionen eine Chance, auf eigene Ressourcen zu setzen und sich zu entwickeln.
"Land der kurzen Wege" nennen die Menschen in Mittelfranken ihre Heimat. Der Name ist Ausdruck ihres Programms. Kurze Wege von Machern zu Nutzern werden nicht nur angesichts des bevorstehenden Klimawandels immer wichtiger. Im nachhaltigen Wirtschaften liegt die Zukunft, davon ist Heiner Sindel aus Feuchtwangen überzeugt.
Für den Vorsitzenden des Bundesverbandes Regionalbewegung e. V. ist Regionalität mehr als hinterwäldlerisches Getue - nämlich ein Konzept mit Hand und Fuß, das die ländlichen Ressourcen und Potentiale der Menschen vor Ort einsetzt: Aus der Region für die Region.

Nicht nur Mittelfranken, viele andere Regionen suchen verstärkt nach neuen Möglichkeiten, sich zu entwicklen und zu stärken. Überall in Deutschland entstehen Inititativen. Ulf Hahne, Professor für Regionalökonomie an der Universität Kassel, sieht hier einen Zusammenhang mit der Unsicherheit, die die Globalisierung erzeugt hat. Die aktuellen Energie- und Klimaprobleme, die Finanzkrise und die Arbeitslosigkeit spielten eine Rolle. Viele Regionen seien durch die starke Außenabhängigkeit in der Globalisierung nicht so krisenfest und mehr und mehr auf sich gestellt, so Ulf Hahne. Für ihn eine Chance, sich völlig neu aufzustellen, zum Beispiel im Transportwesen, in der Bildung, in der Gesundheits- und in der Nahversorgung.
Das tun die Menschen in Mittelfranken bereits auf vielen Wegen, etwa über die so genannten Regionaltheken in mittlerweile 160 Supermärkten, wo die Verbraucher Produkte von rund fünfzig fränkischen Bauern kaufen können. Sie liefern ihre Erzeugnisse an eine Zentralstelle, von der aus die Waren an die Regionaltheken weiterverteilt werden, kurze Wege für alle.

Moderne Regionalentwicklung ist Ulf Hahne zufolge vor allem geprägt durch die Idee der Vernetzung. In den achtziger und auch in den neunziger Jahren habe man noch versucht, einzelne Unternehmen in der Region anzusiedeln, ob sie nun ins Gesamtarrangement passten oder nicht. Man sei froh gewesen, dass das Unternehmen da war. Wanderte es wieder ab, sei das Gejammer groß gewesen.
Heute ist das anders. Man prüft, ob das Unternehmen in die bereits vorhandene Wertschöpfungskette, in den Wirtschaftskreislauf passt und bemüht sich darum, die vorhandenen Fähigkeiten und Potentiale zu verknüpfen, neue Verflechtungen zu schaffen, vielleicht auch Unternehmen dafür zu gewinnen, ein Lücke in der Wirtschaftskette vor Ort zu schließen. Ulf Hahne zufolge werden Allianzen immer wichtiger. So wie viele urbane Regionen sogenannte Clusterstrategien verfolgen, um Wirtschaftspartner miteinander zu vernetzen, könne man das auch im ländlichen Raum machen.

Ein Beispiel in Mittelfranken ist der "Initiativkreis Holz in der Frankenalb", der sich in gemeinnütziger Art für den Absatz des Holzes einsetzt. Forstleute, Waldbauern, Sägewerker, Zimmerer, Schreiner, Architekten, Heizungsbauer und Fachleute für Regionalentwicklung und Naturschutz haben sich zusammengeschlossen und arbeiten seit über zehn Jahren Hand in Hand. Eine geschlossene "Holzkette" ist auf diese Weise entstanden, vom Wald bis hin zu modernen, individuell eingerichteten Wohnhäusern.
Nicht nur Regionalentwickler Heiner Sindel, ganz Mittelfranken ist stolz auf das "Land der kurzen Wege". Starke Regionen stärken das Land. Eine gute Grundlage für den Außenhandel, dafür, auch auf globaler Ebene aktiv zu sein.